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Der Queyras in Baden-Württemberg



685 erfolgte die Aufhebung des Edikts von Nantes (Aufhebung der freien Religionsausübung der Protestanten). Die Familien des Queyras und der Nachbartäler des Piemont waren zahlreich, die daraufhin alles, ihr Haus, ihr Land und ihr Vieh verliessen und nur mit ihren spärlichen Kleidern ausgestattet waren und in gnädigeren Ländern Zuflucht suchten. Dabei handelte es sich für sie nur um einen Zwischenfall, einen weiteren, bereits ihre Väter hatten ihnen beim abendlichen Beisammensein von dem gelegentlichen Ärger wegen ihres Glaubens erzählt, einem Glauben, der sichvon dem des Königs unterschied. Sie wollten zurückkommen, wenn sich der Sturm gelegt haben sollte. Wenigstens glaubten sie das.


Sie gingen in der Nacht, lautlos, wie Diebe, um nicht die Nachbarn zu alarmieren. Sie wussten, sollten sie gefasst werden, wären die Männer auf die Galeeren und die Frauen bis ans Ende ihres Lebens ins Gefängnis geschickt worden und die Kinder hätte man ihnen genommen und in dem Glauben erzogen, der nicht der ihre war. Also gingen sie.  Auf dem Pass angekommen, drehten sie sich noch einmal um, um einen letzten Blick auf das Land ihrer Vorfahren zu werfen, in dem sie geboren worden waren und das ihnen nun feindselig gesinnt war und sie machten sich wieder auf den Weg.Unterwegs trafen sie auf andere Flüchtlinge, die auf der anderen Seite des Berges lebten und mit denen sie die Sprache teilten und die sie einige Male auf Märkten getroffen hatten. Sie gingen mit ihnen. Menschen starben, Kinder wurden geboren. Es war schwierig ein Leichentuch oder eine Windel zu finden. Aber sie verweilten nicht lange an einem Ort. Sie mussten laufen und nochmals laufen.


Auf der Steinplatte : Siedlung Luzern der Gemeinschaft Queyras und Luzern gegründet in Wurmberg 1699 – 1824. Auf den Kieselsteinen : Château-Queyras, Ville-Vieille, Arvieux Abriès, Molines, Aiguilles (nicht zu sehen sind : Ristolas, Saint-Véran, Guillestre)


Sie kamen in die Schweiz, die aber nicht alle Flüchtlinge aufnehmen konnte. Also nahmen sie ihren Weg wieder auf und erreichten sechs Jahre nach ihrem Aufbruch - wie die Zeit doch vergeht - Deutschland und in Baden-Württemberg nahm sie der Herzog auf, der ihnen anbot, sich in einem der weitgehend durch den dreissigjährigen Krieg, durch Plünderungen, Hunger und Krankheit entvölkerten Dörfer, anzusiedeln. Er gab ihnen Land, sicherlich kein sehr fruchtbares, aber schliessendlich Land.


Also machten sie sich an die Arbeit. Nach all den Verfolgungen fühlten sie sich hier in Sicherheit. Nicht alle hatten das Glück ein Dach über dem Kopf zu finden. Wie auch immer. Wenn es sein muss, wird man ein Loch graben und es mit Blättern bedecken. Das ist schon ein Obdach. Vier harte Jahre vergingen bis jeder endlich ein eigenes Zuhause hatte. Alle wurden durch ihren Glauben gestärkt. Sie wussten, dass ein Licht in der Finsternis scheint. Sie gehörten nicht unbedingt dem Waldenser Glauben an, aber das war egal, diese Bezeichnung passte ihnen. Und sie dankten dem Herrgott, der sie bis hierher geführt hatte.


 Die Frauen tragen heute die Kleider ihrer Vorfahren die sie liebevoll in ihren Kleiderschränken aufbewahren


 


 


 


 


Heute erinnern sich ihre Nachkommen ihrer. In Serres, einer kleinen Ortschaft von Wurmberg, wurde der restaurierte Platz, ‘du Patois’ getauft, auch wenn der okzitanische Dialekt nicht mehr gesprochen wird. Und das obwohl ihre Eltern sich über ein Jahrhundert hinweg gegen das unselige Dekret von 1840 wehrten, das ihnen die Verwendung der deutschen Sprache in der Schule, in der Verwaltung und sogar während des Gottesdienstes aufzwang, Und die Frauen bewahrten liebevoll in ihren Kleiderschränken die Kleider ihrer Vorfahren auf, die aus den Waldensertälern mit Trachtenhauben und weissen Dreieckstüchern gekommen waren. In Wurmberg selbst, wurde in der Nähe der evangelischen Kirche, ein Denkmal mit Kieselsteinen des Guil errichtet, auf denen man die Namen aller Dörfer des Queyras, aus denen ihre Vorfahren stammten, eingravierte.


 


 


 



 


Auch wenn die Queyrassiner zu ihnen zu Besuch kommen, scheuen sie keine Mühe, um sie zu empfangen. Haben sie nicht den gleichen Namen oder Namen, die sie kennen, weil sie sie auf den Grabsteinen auf dem Friedhof gesehen haben? Und dann haben sie eine Anzahl dieser Besucher bei Gelegenheiten wie “Zurück im Queyras” (Retour en Queyras) und andere Male kennengelernt. Die Sprachbarriere? Sicherlich ist es nicht einfach, aber wenn das Herz spricht, dann findet es Gesten, die stimmig sind. Dann greift man sich um die Schultern für das Foto, lächelt still und drückt sich lange die Hände.


Wir sehen uns wieder, nicht wahr? Ja, das ist versprochen, entweder im Queyras oder hier. Und man wischt verstohlen die Träne ab, die man nicht erwartet hatte.


Auf Wiedersehen! Au revoir!


Zwei Wörter, die auf beiden Seiten ihren tiefsten Sinn wiedergeben.


 


 


 


 


 


 



 


Der Queyras in Carlsdorf


Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes haben viele Queyrassiner, die sich ihrem protestantischen Glauben verbunden fühlten, alles aufgegeben und sind ins Exil gegangen. Zahlreiche fanden Zuflucht in Deutschland, darunter in Wurmberg in Baden-Württemberg und in Hessen.

Carsdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Hofgeismar, genauer gesagt in Hessen. 70% der Einwohner dieses Ortsteils stammen von französischen Hugenotten ab, zum grossen Teil von Queyrassinern.


Im Jahre 2010 kam eine Delegation aus Carlsdorf, um einige Tage im Queyras zu verbringen. Vom 2. bis 5. Juni 2011 stattete der Verein “Zurück in den Queyras” (Retour en Queyras) seinen Gegenbesuch ab, der von Emotionen, Umarmungen, erneuerter Freundschaft und Besuchen geprägt war… 


Das Wohnviertel der Emigranten, das 1886 entstanden ist, existiert heute noch. Auf Schildern wird den Besuchern erklärt, wer die ersten Bewohner gewesen waren.


Maison Bellon à Carlsdorf


 


Die ersten Besitzer dieses Hauses 1686 hiessen Geoffrey und Madeleine Bellon, beide stammten aus Abriès, anschliessend etwa um 1700 Daniel Bellon aus Abriès mit seiner ersten Frau Christine Isnel aus Saint-Véran und später mit seiner zweiten Frau, der Witwe von Martin Isabeau aus Abriès.

Eine Karte zeigt den Weg, der die Flüchtlinge bis nach Carlsdorf geführt hat. Auf einer Karte kann man, rot umrandet, die Lage des Hauses im Wohnviertel sehen.

1707 brannte dieses Haus mit fünf weiteren während eines Feuers nieder, das von einem Kind in einem nicht einmal drei Kilometer entfernten Dorf gelegt worden war. Zu dem Zeitpunkt kamen die Deutschen gerade erschöpft aus dem dreissigjährigen Krieg zurück. Sie waren sehr arm und wurden geplagt durch Steuerzahlungen, wovon die Neuankömmlinge zehn Jahre lang befreit waren, was einen gewissen Neid hervorrief.

Diese Häuser wurden wieder aufgebaut “auf Kosten des Staates” wie auf dem Schild zu lesen ist.


 


Beim Empfang im Rathaus durch Bürgermeister Heinrich, der die Delegation im vergangenen Jahr angeführt hatte, ergriffen die Besucher die Gelegenheit, Ihre Freude und Ihren Dank auszudrücken.


Arrivée à Carlsdorf (Hesse)


Cher monsieur le maire, cher ami,

Lieber Herr Bürgermeister, lieber Freund,


In Ihrer Rede haben Sie gewichtige Worte verwendet, Sie sprachen vom gegenseitigen Verständnis, von Respekt und Toleranz…. Sie sollen wissen, dass wir sehr sensibel für diese Worte sind. Sie haben sich bei uns für unser Kommen bedankt ….. aber auch auf unserer Seite…. Die Engländer haben eine schöne Formulierung, um auszudrücken, was wir gefühlt haben. Sie sprechen von der Freude, die man empfindet, nachdem man Traurigkeit erlebt hat, weil man auseinander geht und der ausgelassenen Freude, die zurückkehrt, wenn man sich wiederfindet.

Als unser Bus in Carlsdorf ankam, waren wir sehr gerührt über die grosse Anzahl der Bürger, die uns erwartete und deren Gesichter wir zu unseren Freunden zählen. Wie auch darüber, dass sich in den Händen der Kinder, häufig in derselben Hand, die beiden Fahnen befanden, die deutsche und die französische. Die Botschaft war deutlich und wir haben sie vollkommen verstanden.


Arrivée à Carlsdorf (Hesse)


Aber um sich gut zu kennen und zu verstehen, ist es am besten, zusammen zu leben. Wir danken allen herzlich, die uns ihr Haus geöffnet und die uns bei sich aufgenommen haben.

Lassen Sie mich die Qualität deutscher Organisation noch hervorheben. Als Sie letztes Jahr in den Queyras gekommen sind, hing der Himmel tief, grau und regenverhangen. Hier ist heute alles anders: Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Luft ist warm, das Wetter ist angenehm. Ich sehe, dass Sie alle Möglichkeiten bestmöglich ausgeschöpft haben. In meinen Worten finden Sie keinen Neid, allenfalls Bewunderung, und deshalb sage ich hier laut “Bravo!”

Vorhin, als ich die Stufen zum Rathaus hochging, sagte ich zu meinem deutschen Gesprächspartner, dass der Vorplatz sehr schön sei. Er antwortete mir, dass man die Dinge nicht mehr wahrnimmt, wenn man mit zu vielen in Berührung kommt. Ich lade Sie ein, wenn Sie nachher hinausgehen, einen Moment stehen zu bleiben und zu schauen mit weit geöffneten Augen. Wie wir werden Sie feststellen, dass Sie hier einen wunderschönen Vorplatz haben.

Auch lassen Sie uns unseren herzlichsten Dank für alles, Ihre Freundlichkeit, Ihren herzlichen Empfang aussprechen, VIELEN DANK!


 


 


Am Sonntag trafen sich die Carlsdorfer und die Queyrassiner beim Pfarrer in der evangelischen Kirche. Momente der Besinnung vereinigen die Gläubigen, der Meditation für diejenigen, die es nicht sind, alle Teilnehmer sind ergriffen von tiefen Emotionen.


Portail du temple de Carlsdorf (Hesse)


Über der Eingangstür der evangelischen Kirche in Carlsdorf findet man folgende Inschrift: Die Franzosen, die wegen ihres protestantischen Glaubens flüchten mussten, haben diese Kirche zu Ehren Gottes durch die barmherzige Rettung durch S.A.S. Charles, Prinz und Landgraf von Hessen-Kassel errichtet und der sie gnädig unter seinem Schutz versammelt hat und der sich um nichts weniger als um das Heil ihrer Seelen und die Pflege ihrer Körper kümmerte und der es verdient, dass sie in diesem Haus und an anderen Orten intensive Gebete an den Himmel richten für seinen Wohlstand und seinen Ruhm. Im Jahre 1707.


 


 


 


 



 


Prozession an den See Sainte-Anne in Ceillac


L'arrivée des bannières au lac Sainte-Anne


 


La procession au lac Sainte-Anne aux pieds de la Font Sancte est une tradition qui remonte au XVIIe siècle.


A l'époque, dit la légende, des jeunes bergers s'étaient confectionnés un radeau de fortune et s'étaient laissés pousser doucement par le vent vers le centre du lac qu'il comptaient traverser. Hélas quand ils furent arrivés au milieu, plus un souffle d'air. Impossible de revenir. Le soir tombant, leurs parents finirent par s'inquiéter et après de longues recherches, les trouvèrent coincés sur leur frêle esquif. Instructions, exhortations, conseils divers... rien n'y faisant, ils n'eurent plus que la ressource de se jeter à genoux et d'implorer Sainte-Anne qui protège si bien les navigateurs. Ils lui promirent, s'ils retrouvaient leurs enfants, de lui construire une chapelle. Sainte-Anne les entendit de sorte qu'une brise légère se leva et ramena les enfants jusqu'à la rive.


 


La messe à la chapelle Sainte-Anne


 


Depuis lors, dit-on, un pèlerinage de remerciement est organisé chaque année le 26 Juillet. Deux processions, précédées de leur bannière, partent simultanément de Ceillac et de Maurin dans la vallée de l'Ubaye, par delà le col Girardin. Elles font leur jonction au niveau du lac. Après quoi une messe est dite.


La tradition rapporte également que Sainte-Anne manifeste sa satisfaction au retour de la procession en faisant pleuvoir, à une époque de l'année où l'on a tant besoin d'eau.


En fait on se rendait au Lac Doux (ou Ladoux, ou La Dous) en procession dans les périodes de grande sécheresse quand on désirait la pluie. A cette occasion on organisait aussi des jeux tels que des courses pour jeunes gens et jeunes filles dans une pente très raide.


 


Après le recueillement, la détente


 


 


 


La chapelle Sainte-Anne existait déjà en 1743 car cette année là les archives font état de travaux d'entretien, et la première procession pour demander la pluie dont on garde le souvenir, remonte à 1699. Aussi la construction de la chapelle remonte-t-elle au XVIIe siècle voire même plus tôt.



Les derniers travaux de réparation (plancher, maçonnerie, crépissage...) ont été faits en 1909. Malheureusement durant l'hiver 1918-1919 une avalanche ruina l'édifice lequel fut reconstruit dès 1920.


 


 


 


 

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